– ein Wissen, das Beziehungen heilt
Meine Freundin Irina Benz schreibt gerade ein Buch. Beim Lesen ihrer Texte und in unseren Gesprächen begann etwas in mir zu arbeiten. Ihre Worte haben mich nicht belehrt, sondern erinnert. An Erfahrungen, die ich selbst als Frau gemacht habe. An Wahrheiten, die ich lange gespürt, aber nie klar benannt habe. Und an ein Wissen, das in Beziehungen oft fehlt – mit Folgen, die wir alle kennen.
Diese Gedanken haben mich zu einem Entschluss geführt: Dieses Wissen soll nicht nur zwischen Buchseiten existieren oder im Privaten bleiben. Meine Kundinnen und Kunden dürfen es auch wissen. Weil es entlastet. Weil es klärt. Und weil es Beziehungen nicht komplizierter macht, sondern ehrlicher. Was folgt, ist keine Theorie, sondern gelebte Erfahrung. Körperlich, emotional, menschlich.- Ein Blick auf Nähe, Begehren und Verbundenheit – jenseits von Besitz, Angst und alten Rollenbildern. Erst der Ausschnitt und dann meine Gedanken dazu
„Beziehungsgeschädigt
Diese Begegnung hat vor allem eines hinterlassen:
Dankbarkeit. Dankbarkeit dafür, dass ich zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder Sex erleben konnte, ohne ein
ganzes Leben daran zu hängen. Dass ich spüren konnte, wie es ist, einen Mann zu wollen–nicht aus Angst vor Einsamkeit, nicht aus Gewohnheit, nicht aus Pflichtgefühl, nicht aus der Suche nach Bestätigung meines Selbstwertes, aber auch nicht aus Liebe. Nicht aus Mangel, sondern einfach, weil ich lebe –aus Lust, aus Urinstinkten, aus Urbedürfnissen. Ich wollte ihn, weil ich ihn gewählt habe. Diese kurze Begegnung war kein neues Kapitel der Liebe. Aber sie war ein Schritt zurück in mein eigenes Leben ,in meine Weiblichkeit, in meine Freiheit.
„Unpossessing is fake.“
Nicht besitzen heißt nicht, nichts zu fühlen. Es heißt nicht, unverbindlich oder leer zu sein. Wirkliches Nicht-Besitzen bedeutet, aus innerer Fülle zu wählen ,nicht aus Angst, nicht aus Mangel. Es heißt, verbunden zu sein, ohne festzuhalten. Nahe zu sein, ohne zu kontrollieren. Es bedeutet, beweglich zu bleiben in einer Welt, die sich ständig verändert. Alles andere ist keine Freiheit, sondern Vermeidung.
Nicht jede Erkenntnis entsteht im Denken. Manche entstehen im Körper. Still. Ohne Erklärung und manchmal sind es Tränen, die eine Erfahrung vollenden. Wir lagen im Bett, wie zwei Sterne, völlig entspannt .Der Raum war still. Unsere Körper warm, schwer und gleichzeitig leicht. Mein Körper war erfüllt – rein körperlich, ruhig, zufrieden. Nichts wollte mehr, nichts musste mehr.
Ich lag da, sah Alex an und spürte plötzlich dieses tiefe Bedürfnis nach Nähe. Nicht nach Sex, nicht nach mehr, sondern nach Halt. Ich fragte ihn leise: Kannst du mich umarmen?
Als er mich in den Arm nahm, war das ein sehr besonderer Moment. Ein Moment, in dem ich nach sehr langer Zeit endlich loslassen konnte. Seine große, starke Schulter zu spüren, gab mir ein Gefühl von Sicherheit. Etwas, das ich lange nicht mehr gefühlt hatte.
Dann kamen die Tränen. Sie flossen wie ein Wasserfall –nicht aus Schmerz, sondern aus Erleichterung und tiefer innerer Entspannung. Es war eine Entladung. Er ist ruhig geblieben und hat mich einfach gehalten. Für einen kurzen, sehr wertvollen Augenblick.
Wenn eine Frau lange Zeit alles allein trägt –Verantwortung, Kinder, Existenz, Alltag, Sorgen, oft auch die Verantwortung für andere –geht sie irgendwann in einen Überlebensmodus. Man funktioniert. Man hält durch. Man wird hart, ohne es zu wollen. In diesem Moment konnte ich diesen Überlebensmodus ablegen. Ich durfte einfach fallen. Für einen Augenblick klein sein. Getragen werden.
Und vielleicht ist es wichtig, dass Männer das wissen:
Solche Tränen sind kein Vorwurf.
Keine Überforderung.
Kein Fehler.
Sie sind ein Zeichen von Vertrauen.
Von Loslassen.
Von einem Körper, der endlich darf. (Irina Benz)
….Jede meiner Tränen ist ein Diamant, der meine Seele mit menschlicher Erfahrung veredelt.“
Ich bin sehr dankbar für diese Beschreibung in Ihrem Buch. Denn es ist sehr wichtig zu wissen, warum wir so viel fühlen, nicht die Verzweiflung nicht zu wissen, wie es getragen werden soll, anstatt auszuhalten.
Dieses Wissen ist beziehungsheilend, weil es einen Raum öffnet, in dem Begegnung wieder wahrhaftig werden darf – jenseits von Besitz, Erwartungen und alten Mustern. Es zeigt, dass Nähe nicht automatisch Verpflichtung bedeutet und dass Begehren nicht aus Mangel entstehen muss. Für Frauen liegt der Nutzen darin, den eigenen Körper wieder als Quelle von Wahrheit zu erleben. Lust darf existieren! Mit allen Zwischenstationen soweit sind wir Menschen schon und ohne Rechtfertigung, ohne Versprechen, ohne Selbstverlust. Weiblichkeit muss nicht funktionieren, nicht tragen, nicht halten – sie darf weich sein, empfangen, loslassen. Aber die Männlichkeit auch! Tränen sind dabei kein Zeichen von Schwäche, sondern von Regulation, von Entlastung, von einem Nervensystem, das endlich nicht mehr kämpfen muss.
Für Männer eröffnet dieses Wissen ein tiefes Verständnis für weibliche, aber auch menschliche Emotionalität. Es nimmt den Druck, etwas leisten, erklären oder reparieren zu müssen. Tränen nach Nähe sind kein Vorwurf, kein Anspruch, kein versteckter Vertrag. Sie sind Ausdruck von Vertrauen. Präsenz genügt. Halten genügt. Still sein genügt. Dieses Wissen entlastet Männer von der Rolle des Retters und erlaubt ihnen, einfach da zu sein – menschlich, ruhig, verbunden.
Beziehungen werden beschädigt, wenn Nähe mit Besitz verwechselt wird, wenn Freiheit als Bindungsangst missverstanden wird und wenn Emotionen als Forderung gelesen werden. Dieses Wissen trennt klar zwischen Begehren und Bindung, zwischen Nähe und Kontrolle, zwischen Gefühl und Verpflichtung. Es schafft Räume, in denen wahre Begegnung möglich ist, ohne dass ein ganzes Leben daran hängt. Es lehrt, aus innerer Fülle zu wählen statt aus Angst, verbunden zu sein ohne festzuhalten und zu erkennen, dass manche der tiefsten Erkenntnisse nicht im Denken entstehen, sondern im Körper. Still. Ohne Erklärung. Und manchmal in Tränen, die nichts zerstören, sondern etwas Ganzes zurückbringen.